Autor: Sebastian Blaeschke Head of Portfolio and Research - Shareholdervalue Asset Management
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KI-Investitionen: Warum sich der Milliarden-Einsatz auszahlen könnte

Es geht um gigantische Summen, die weiterhin in den Bereich Künstliche Intelligenz, insbesondere in Rechenkapazität, investiert werden. Nach Vorlage der jüngsten Quartalszahlen haben die US-Giganten Meta, Oracle, die Google-Mutter Alphabet sowie unsere Portfolio-Unternehmen aus dem Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value, Microsoft und Amazon, konkretisiert, was sie in Rechenzentren und IT-Infrastruktur investieren wollen: Allein diese fünf Tech-Konzerne stehen für angekündigte Investitionen von 760 Milliarden US-Dollar. Und das allein in diesem Jahr.

760 Milliarden Dollar! Das ist mehr als der Bundeshaushalt für dieses Jahr. Dieser liegt bei rund 525 Milliarden Euro, umgerechnet rund 610 Milliarden Dollar. Auch das Infrastrukturprogramm des Bundes umfasst etwa 580 Milliarden Dollar – allerdings verteilt auf 12 Jahre. Die 760 Milliarden Dollar der US-Tech-Riesen gelten dagegen allein für 2026 (s. Grafik). Oder anders ausgedrückt: sagenhafte 673 Dollar pro Einwohner der westlichen Welt!

Graphik: Eigene Darstellung Shareholder Value Management AG

Microsoft & Co. wollen sich mit diesen enormen Investitionen Marktanteile in einem der wohl wichtigsten Zukunftsbereiche sichern. Denn sie sind allesamt Anbieter von Cloud-Diensten, die über eine massive Infrastruktur aus Rechenzentren verfügen, um Speicherplatz und Rechenleistung in extremem Umfang („Hyperscale“) bereitzustellen. Sie ermöglichen es Unternehmen, IT-Ressourcen blitzschnell und effizient zu skalieren – eine zentrale Voraussetzung für KI, Big Data und andere datenintensive Prozesse.

Trotz Kritik: Big Tech investiert massiv in die Schlüsseltechnologie der Zukunft

Die Zweifel an dieser Strategie sind in den letzten Quartalen lauter geworden. Viele Investoren erinnert das Ausmaß der Capex-Welle an die Investitionen um die Jahrtausendwende und fragen sich, ob sich diese Summen jemals rentieren werden. Ein Blick in die jüngsten Quartalsbilanzen relativiert die Sorge: Die Big Techs setzen die hohen Investitionen mit geringem Zeitverzug in profitables Wachstum mit sehr auskömmlichen Margen um. So wuchs der Umsatz von Microsoft im abgelaufenen Quartal um gut 18 Prozent. Dabei erwirtschaftete das Unternehmen einen operativen Cashflow vor Investitionen von knapp 47 Milliarden US-Dollar. 31 Milliarden US-Dollar davon wurden im gleichen Quartal direkt wieder in Rechenzentren investiert, um das zukünftige Wachstum sicherzustellen. Ähnliches ließ sich bei Amazon beobachten: Der Quartalsumsatz der Rechenzentrumssparte AWS stieg im Jahresvergleich um über 8 Milliarden US-Dollar oder 28 Prozent auf nun über 37 Milliarden US-Dollar. Und bei den anderen Konzernen sieht es ähnlich aus.

Die Investitionen sind gigantisch. Aber auch die Nachfrage nach Rechenkapazität und der damit verbundenen Infrastruktur wächst rasant, sodass die Nachfrage das Angebot nach wie vor übersteigt. Schon heute setzt mehr als die Hälfte der US-Unternehmen KI ein – und bezahlt dafür jeden Monat zum Teil hohe, weiter steigende Summen. Die steigenden Investitionen führen wiederum dazu, dass Rechenchips, insbesondere GPUs, sowie Speicherkomponenten stark nachgefragt werden. Ein Ende des Investitionszyklus ist noch nicht in Sicht. Dauerhaft hohe Preise, insbesondere für Rechen- und Speicherchips, sind jedoch unrealistisch, wenn die Angebotsseite künftig mit zusätzlichen Kapazitäten nachzieht. Entsprechend kann es im Halbleiterbereich auch zu der einen oder anderen Enttäuschung kommen.

Anthropic, OpenAI und die neue Dynamik im KI-Markt

Hintergrund des Booms sind die großen Sprachmodelle, insbesondere von OpenAI und Anthropic, deren Entwicklung immer weiter voranschreitet. Der US-Konzern Anthropic hat sich mit Claude zuletzt vor allem im Bereich Coding stark positioniert und fokussiert sich zugleich stärker auf professionelle B2B-Anwendungsfälle. Das Unternehmen betont dabei KI-Sicherheit, ethische Grundsätze und die Entwicklung zuverlässiger, „verfassungsgemäßer“ KI-Modelle. Die extremen modellseitigen Verbesserungen führten dazu, dass die Code-Veröffentlichungen, um über 70 Prozent weltweit angestiegen sind. Antrophic selber behauptet, mittlerweile seinen gesamten Code mit der KI zu schreiben und so die Innovationsgeschwindigkeit weiter steigern zu können. Auch OpenAI kann mit ChatGPT große Erfolge vorweisen: Die Zahl der Nutzer hat sich über die vergangenen zwölf Monate mehr als verdoppelt, auch wenn bislang nur ein Bruchteil für den Dienst bezahlt.

Nicht zuletzt, wenn wir unsere eigene Nutzung bei Shareholder Value beobachten, sind wir davon überzeugt, dass KI eine der Schlüsselindustrien der Zukunft sein wird, in die auch wir weiterhin investieren. Gerade wegen der Euphorie hat es sich aber bewährt, bei der Portfoliokonstruktion einen kühlen Kopf zu bewahren: Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis aus Unternehmen mit KI-Chancen und Unternehmen, die von der KI-Dynamik kaum betroffen sind. So kann man an der technologischen Revolution partizipieren, ohne sich einseitig zu exponieren – und gleichzeitig ruhig schlafen und den Vermögenserhalt im Blick behalten.

Dass wir bei der Auswahl der KI-Profiteure häufig in den USA fündig werden, liegt vor allem daran, dass die großen Technologiekonzerne, die schon vor der jüngsten KI-Welle führend waren, dort beheimatet sind. Sie verfügen über die finanziellen Mittel, die Infrastruktur und das Know-how, um von diesem Boom besonders stark zu profitieren. Auf eine europäische Antwort warten wir nach wie vor vergeblich. Eine Hoffnung bleibt jedoch für Europa: Die Open Source Sprachmodelle werden immer besser und vielleicht ist es am Ende gar nicht so wichtig, dass beste Sprachmodell und den größten Server zu haben, sondern vielmehr, wie man die KI in die verschiedenen Geschäftsprozess und Industrien optimal integriert. Diese zweite Chance gilt es zu nutzen.

Sebastian Blaeschke, Jahrgang 1990, ist Leiter des Research Teams und berät zusammen mit den CIOs Frank Fischer und Jens Große-Allermann die Mandate der Shareholder Value Management AG.

Neben den Leitungsfunktionen ist Herr Blaeschke Prokurist der Gesellschaft und hat eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der hausinternen Softwareapplikationen für die Portfolioberatung und Aktienanalyse inne.

Seit 2018 war Herr Blaeschke als Aktienanalyst und als Analyst im Bereich Applied Research und Risk im Unternehmen tätig. Zuvor arbeitete er bereits seit 2012 als Werkstudent im Unternehmen.

Herr Blaeschke absolvierte seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Finance & Accounting und seinen Master in Wirtschaftsinformatik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Dort gründete er gemeinsam mit Andreas Hennes einen Investmentverein und war anschließend als Vorstand tätig.

Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Autor: Sebastian Blaeschke Head of Portfolio and Research - Shareholdervalue Asset Management

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