Von Hans Peter Schupp, Vorstand der Fidecum AG und verantwortlich für die Anlageberatung des Contrarian Value Euroland Fonds (ISIN: LU0370217092), über den neuen Merkantilismus
Die erste Ironie
Donald Trump liebt Zölle. Seine Gegner erklären regelmäßig, warum das volkswirtschaftlich keine besonders gute Idee ist: Zölle werden zunächst vom Importeur bezahlt und belasten über höhere Kosten Unternehmen und Verbraucher im eigenen Land. Genau darin liegt die erste Ironie von „America First“: Eine Politik, die Amerika stärken soll, verlangt zunächst von den Amerikanern selbst einen hohen Preis – höhere Kosten, weniger Konsum und geringeren Wohlstand.
Die Logik der Gegenzölle
Die Antwort darauf lautet häufig: Gegenzölle. Aber die ökonomische Logik ändert sich nicht mit der Nationalität derjenigen, die sie erheben. Wenn Zölle die heimische Wirtschaft belasten, gilt das auch für Gegenzölle. Sie verteuern Importe, verändern Lieferketten und zwingen Unternehmen und Verbraucher zu teureren Alternativen.
Aus einem Fehler werden damit direkt zwei.
Politisch durchaus attraktiv
Warum macht man es trotzdem? Weil politische und volkswirtschaftliche Rationalität nicht dasselbe sind. Zölle demonstrieren Handlungsfähigkeit, schützen sichtbar einzelne Branchen und bringen dem Staat Einnahmen. Die Kosten dagegen verteilen sich auf viele Unternehmen und Verbraucher – politisch bequem, weil sich kaum jemand unmittelbar betroffen fühlt.
Noch wichtiger ist die Symbolik. Wer auf Zölle nicht reagiert, gilt schnell als schwach. Gegenzölle senden daher eine klare Botschaft: Wir lassen uns das nicht gefallen. Volkswirtschaftlich ist das eine eigenwillige Form der Stärke. Man verteuert die eigenen Importe, um dem anderen zu zeigen, dass man ernst genommen werden möchte.
Ökonomisch: Zurück ins 17. Jahrhundert
Auch in Europa werden die Stimmen lauter, die staatliche Eingriffe fordern. Das ist Ausdruck eines neuen Merkantilismus. Neu ist daran wenig. Schon der klassische Merkantilismus setzte auf staatliche Lenkung, stärkte die Staatskasse – und belastete die Verbraucher. Heute lautet das Versprechen: Die eigene Industrie soll gestärkt werden. Die USA nutzen ihre Zollpolitik, um Produktion und Investitionen stärker an den eigenen Standort zu binden. China fördert strategische Industrien, schottet wichtige Sektoren ab und schafft Überkapazitäten, die anschließend auf den europäischen Markt drängen. Europa steht dazwischen – und gerät zunehmend unter Druck, ebenfalls stärker einzugreifen.
Damit stellt sich die Frage: Muss Europa diesen Weg ebenfalls gehen? Wird eine schlechte Idee dadurch besser, dass andere sie ebenfalls umsetzen?
Die zweite Ironie
Die bessere Antwort könnte gerade darin liegen, den entstehenden Anpassungsdruck zu nutzen. Weniger Export ist kurzfristig schmerzhaft. Langfristig zwingt er Unternehmen jedoch, neue Märkte zu erschließen, effizienter zu werden und Kapital produktiver einzusetzen.
Deutschland kennt diesen Mechanismus aus der Zeit vor dem Euro. Die starke D-Mark war für die Exportindustrie kein Geschenk, sondern permanenter Wettbewerbsdruck. Wer trotz einer harten Währung international bestehen wollte, musste produktiver, innovativer und kostendisziplinierter sein.
Für Europa könnte Trumps Handelspolitik ausgerechnet jene Anpassungen beschleunigen, die seit Jahren vertagt werden: Investitionen in Infrastruktur, Energie, Digitalisierung, Verteidigung und den industriellen Kapitalstock. Darin liegt die zweite Ironie von „America First“: Der Versuch, Amerika durch Protektionismus zu stärken, könnte seine Wettbewerber langfristig stärken.
Die dritte Ironie
Weniger Export heißt auch: weniger reale Waren gegen amerikanische Schuldscheine. Ausgerechnet „America First“ führt dazu, dass Trumps Handelspartner Amerika nicht nur weniger beliefern – sondern zugleich den USA weniger Kredit geben.
Unser Investment-Ansatz
Seit 30 Jahren investiert der Contrarian Value Euroland Fonds in unterbewertete europäische Unternehmen mit Potenzial und nachvollziehbarem Geschäftsmodell. Unsere Philosophie ist dabei unternehmerisch: Wir kaufen Unternehmen, nicht Aktien. Entsprechend analysieren wir Geschäftsmodelle mit dem Blick eines Eigentümers – und stellen uns, wenn nötig, bewusst gegen die herrschende Marktmeinung.
Gerade in einer Welt wachsender politischer Eingriffe wird es umso wichtiger, kurzfristige Schlagzeilen von nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit zu unterscheiden.
Der Autor:
Hans Peter Schupp, Vorstand der Fidecum AG und Portfoliomanager des Contrarian Value Euroland Fonds.
