Autor: Marieke Knußmann Senior Nachhaltigkeitsanalystin bei GLS Investments
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Fonds mit Spendenkomponente: Doppelte positive Wirkung stiften

Gastautor: Marieke Knußmann, Senior Nachhaltigkeitsanalystin bei GLS Investments

Stiftungen, vor allem gemeinnützige, verfolgen andere Anlageziele als klassische Anleger. Neben dem langfristigen Erhalt des Grundstockvermögens werden Inflationsschutz Ausschüttungserträge für den Stiftungszweck angestrebt. Darüber hinaus sollten die Anlagerichtlinien nicht dem Stiftungszweck widersprechen. Eine Stiftung, die sich beispielsweise dem Naturschutz widmet, sollte nicht in Wertpapiere von Unternehmen investieren, die zur Zerstörung der Natur beitragen. Im besten Fall stehen Stiftungszweck und Kapitalanlage vollständig im Einklang und entsprechen damit dem Konzept des Mission Investing. Doch manche stiftungsgeeignete Fonds gehen noch einen Schritt weiter: Sie haben direkt eine Spendenkomponente integriert und entfalten damit einen weiteren positiven gesellschaftspolitischen Effekt. Stiftungsziele, Anlagestrategie und Mittelverwendung werden so um eine vierte sinnvolle Wirkebene ergänzt.

Bei Fonds mit Spendenkomponente handelt es sich um Fonds, die einen Teil ihrer Einnahmen regelbasiert als Spenden für Projekte verwenden. Diese stellen im DACH-Raum bisher noch ein schmales Segment dar. Meist sind es nachhaltige Fonds, die eine Spendenkomponente enthalten. Gemäß einer in diesem Jahr veröffentlichten Pilotstudie zum Thema Fonds mit Spendenkomponente des Think-and-Do-Tank Fair Finance Institute sind im deutschsprachigen Raum bisher 36 Fonds mit Spendenkomponente zugelassen. Die Studie unterscheidet bei den Fonds zwischen vier Gebührenmodellen: Am weitesten verbreitet ist das sogenannte Volumen-Modell. Hier bemisst sich die Spende als Anteil des Fondsvolumens. Beim Gebühren-Modell wird die Spende als Anteil an der Verwaltungsgebühr berechnet. Beim Ertrags-Modell können Anleger und Anlegerinnen optional auf Ausschüttungen verzichten. Beim Performance-Modell wird ein fixer Anteil der Performance-Fee gespendet.

Spendenkomponente ermöglicht direkten Impact ohne zusätzlichen Aufwand

Nachhaltige Investments stellen gerade für gemeinnützige Stiftungen aufgrund ihrer positiven Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft ein beliebtes Anlagevehikel dar. Auch im Hinblick auf den langfristigen Anlagehorizont mit Ewigkeitscharakter bei der Vermögensanlage können nachhaltige Investments sinnvoll sein. Denn Unternehmen oder Institutionen, die ökologische und soziale Faktoren in ihrem Geschäftsmodell berücksichtigen, können langfristig gegenüber bestimmten Transformations- und Regulierungsrisiken besser aufgestellt sein, Jedoch erfolgt die nachhaltige Wirkung bei den nachhaltigen Fonds meist nur indirekt: Sofern es sich nicht um eine Kapitalerhöhung oder Neuemission handelt, fließt das investierte Kapital nicht direkt dem Unternehmen zu, sondern wird an der Börse gehandelt. Durch die aus den Fondseinnahmen generierten Spenden hingegen kann eine direkte und messbare Wirkung erzeugt werden, die klar dokumentiert ist. Die Fondsspende kommt unmittelbar Projekten zugute. Diese fördern Bereiche, die selbst keine Rendite erwirtschaften können, wie zum Beispiel im Bildungssektor. Somit wird der Wirkungsansatz nachhaltiger Investments erweitert und die nachhaltige Wirkung potenziert.

Nachhaltige Geldanlage mit Spendenkomponente stärkt Glaubwürdigkeit und Kohärenz

Fonds mit Spendenkomponente bieten Stiftungen den Vorteil, dass Spenden regelbasiert über den Fonds erfolgen, ohne dass zusätzliches Kapital beschafft werden muss. Dies stellt eine bequeme Möglichkeit dar, nachhaltige Projekte zu finanzieren. In den Anlageinformationen zum Fonds kann nachvollzogen werden, welche Projekte konkret unterstützt werden. Anbieter, wie die GLS Investments veröffentlichen darüber hinaus einen dezidierten Wirkbericht zu ihren Produkten und den damit verbundenen Investments und Spenden. Dabei muss auch nicht auf Rendite verzichtet werden. Die Fonds generieren in der Regel die Spenden aus ihren eigenen Einnahmen. Nur beim Ertrags-Modell verzichtet der Anleger bewusst zugunsten der Spendeneinnahmen auf einen Teil der Ausschüttungen, welches aber bei den vom Fair Finance Institute erfassten Fonds lediglich von einem Fondsanbieter angeboten wird.

Mit einem Gesamtvolumen von geschätzt rund 110 Mrd. Euro verfügen die Stiftungen in Deutschland über ein enormes Vermögen. Dabei stellen die Kapitalerträge die wichtigste Finanzierungsquelle dar. Eine Untersuchung der NGO Facing Finance unter den größten deutschen Stiftungen kam zu dem Ergebnis, dass diese wenig Transparenz bei ihren Anlagerichtlinien und Assets gewähren. Doch gerade eine höhere Transparenz könnte gewährleisten, dass ein umfassenderes Bild von der Stiftung und ihrer Integrität gegenüber der Öffentlichkeit, Förderpartnern und Gremien entstehen kann. Eine Anlage in Fonds mit Spendenkomponente kann darüber hinaus unterstreichen, dass auch das Vermögen der Stiftung zusätzlich zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beiträgt. Dies kann Glaubwürdigkeit und Kohärenz der Stiftungen stärken.

Markt ist überschaubar, aber etabliert

Gemäß der Studie des Fair Finance Institute verwalten die im DACH-Raum verfügbaren 36 Fonds mit Spendenkomponente ein Volumen von 8,3 Mrd. Euro. Seit Einführung der Spendenkomponente flossen insgesamt 27,9 Millionen Euro als Spenden in gemeinnützige Projekte. Diese Projekte widmen sich vor allem den Themen Bildung, Kinderhilfe, Biodiversität und Klimaschutz. Die Studie kommt auch zu dem Ergebnis, dass Fonds mit Spendenkomponente nicht teurer sind als andere Fonds. Knapp 45 Prozent der untersuchten Fonds weisen sogar eine unterdurchschnittliche Gebührenstruktur auf.

Beispiele für konkrete Spenden-finanzierte Projekte

Die GLS Investments, der Fondsanbieter der in Bochum ansässigen GLS Bank, hat mehrere Fonds mit einer Spendenkomponente im Angebot. Hierbei kommt das Gebührenmodell zum Einsatz, bei dem ein Teil der durch GLS Investments vereinnahmten Verwaltungsgebühren in Form von Spenden an gemeinnütze Vereine ausgeschüttet wird. Der GLS AI – Mikrofinanzfonds ist der einzige Mikrofinanzfonds im DACH-Raum mit integrierter Spendenkomponente. Mikrofinanzfonds sind ein Segment des Fixed Income-Marktes, bei dem die Investments über Mikrofinanzinstitute (MFIs) direkt als Kleinkredite an Kleinstunternehmer aus verschiedenen Ländern weltweit fließen. Hier wirken die Investments also direkt. Die Kreditnehmer nutzen die Kredite dafür, ihr Geschäft auszubauen. Man denke dabei etwa an eine Näherin, die sich durch den Mikrokredit Stoffe besorgt oder an einen Lebensmittelhändler, der sich durch den Kleinstkredit einen Kühlschrank anschaffen kann. Die geringe Korrelation von Mikrofinanzkrediten mit Anleihen oder Aktien sorgt dafür, dass sich die Erträge stabil über verschiedene Marktphasen hinweg entwickeln und deshalb gut planbar sind. GLS Investments als Fondsinitiator des GLS AI – Mikrofinanzfonds achtet bei der Selektion der MFIs in Zusammenarbeit mit dem Fondsmanager, der Frankfurt School Impact Finance, auf verschiedene Positiv- und Negativkriterien. Ein Positivkriterium ist zum Beispiel die besondere Berücksichtigung von MFIs, die Frauen fördern und in deren Führungsriegen Frauen ausreichend repräsentiert sind. 84 Prozent der Kreditnehmer der durch den GLS AI – Mikrofinanzfonds bereitgestellten Kredite sind weiblich. Ein Negativkriterium sind zum Beispiel Märkte, in denen es ein Überangebot an Mikrofinanzanbietern gibt. Dies führt dazu, dass neben regulierten Mikrofinanzinstituten auch informelle Anbieter aktiv sind, die nicht an Kundenschutzstandards gebunden sind und Kredite zu überhöhten Zinsen vergeben. Ein Ansatz für eine verantwortungsvolle Mikrofinanzierung ist die sogenannte Technical Assistance (TA). TA-Projekte des GLS AI – Mikrofinanzfonds werden durch Spenden aus den Einnahmen aus dem Fonds finanziert und fördern den Aufbau von Finanzkompetenz sowohl bei den MFIs als auch bei den Kreditnehmern. Ein solches TA-Projekt in Form eines „Consumer-Empowerment-Projekts“ wird im Norden von Kambodscha umgesetzt.  Es vermittelt Wissen zu Finanz- und Verbraucherthemen und unterstützt Menschen dabei, fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen. Gerade in Kambodscha stellte die Überschuldung privater Haushalte in der Vergangenheit eine große Herausforderung dar. Das Projekt soll dazu beitragen, die finanzielle Selbstbestimmung der Menschen vor Ort zu stärken und einen verantwortungsvollen Umgang mit Finanzdienstleistungen zu fördern. Der GLS AI-Mikrofinanzfonds selbst ist seit 2024 nicht mehr in Kambodscha investiert.

Auch der GLS Bank Klimafonds ist ein Fonds mit Spendenkomponente. Dieser nachhaltige Fonds investiert in Aktien und Anleihen von Unternehmen und Institutionen, die zum Klimaschutz beitragen. Ein Teil der Einnahmen aus dem Fonds kommt Projekten zugute, die den Klimaschutz fördern. Im Jahr 2025 wurden dadurch 279.000 Euro an insgesamt 22 Projekte gespendet. Ein durch die Spenden geförderter Verein ist Sana Mare e.V. aus Kamerun. Die Gelder finanzieren Bildungsworkshops für Lehrkräfte und Schüler zur Plastikverschmutzung und ermöglichen Müllsammelaktionen mit dem Schwerpunkt auf Gewässern. Ein weiteres Projekt, das durch die Spendenkomponente aus dem GLS Bank Klimafonds finanziert wurde, ist die Wiederaufforstung von Flächen in fünf kambodschanischen Dörfern durch eine Kooperation mit Fairventures Worldwide gGmbH. Die Spendensumme in Höhe von 10.000 Euro im Jahr 2025 ermöglichte es, dass die lokalen Kleinbäuerinnen und -bauern auf den degradierten Flächen neue Bäume anpflanzen konnten, die langfristig zu einem verbesserten Klima, Erosionsschutz und einem besseren Wasserhaushalt führen. Kurzfristig können die auf den Flächen angepflanzten Zwischenfrüchte für den Verkauf genutzt werden. Die positive Wirkung ist dabei direkt messbar: Aufforstungsflächen, Baumzahlen und gebundene CO₂-Mengen werden digital erfasst.

Fonds mit Spendenkomponente sind bislang noch ein wenig bekanntes Segment des Fondsmarktes. Dabei verbinden sie Kapitalanlage und gesellschaftliches Engagement auf unkomplizierte Weise: Anlegerinnen und Anleger können mit ihrem Investment zusätzliche Wirkung entfalten, ohne selbst aktiv werden zu müssen. Gerade für Stiftungen bietet dies die Chance, den gesellschaftlichen Nutzen ihres Vermögens über den Stiftungszweck hinaus zu erhöhen. Da diese Fonds meist nachhaltige Anlageansätze verfolgen, passen sie besonders gut zu langfristig ausgerichteten Strategien, die ökologische und soziale Wirkung anstreben.

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