Autor: Sebastian Blaeschke Head of Portfolio and Research - Shareholdervalue Asset Management
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MODERN-VALUE-KOLUMNE: Die Vorteile einer taktischen Aktien-Allokation

Das Aktien langfristig zu den renditestärksten Anlageklassen gehören, ist fast schon eine Binsenweisheit. Über Zeiträume von 15 bis 20 Jahren sind inflationsbereinigt im Schnitt 6 bis 9 Prozent Rendite pro Jahr drin. Bei Anleihen sind im Schnitt 1 bis 3 Prozent möglich und bei Immobilien sind es in etwa 4 bis 7 Prozent. Was sich hier aber so gut für Aktien anhört, hat jedoch einen Haken: Man braucht als Anleger Geduld.

Eine Zeitreise mit unterschiedlichem Ausgang

Hier mal eine kleine Zeitreise. Wir schreiben den 31. Juli 2000. Das Depot ist prall gefüllt, die Technologiewerte haben zuvor traumhafte Gewinne gebracht, und die größten US-Konzerne wirken unschlagbar. Wer an diesem Tag die 500 größten amerikanischen Aktien, wie auch heute üblich, nach Marktkapitalisierung gewichtet kauft, also z.B. den S&P 500, macht scheinbar alles richtig.

Zehn Jahre später sieht die Bilanz allerdings ganz anders aus. Aus 100 Euro sind in Euro nur 66 Euro übriggeblieben — ein Minus von 34 Prozent (s. Grafik). Zwei Rückschläge und ein schwacher Dollar haben dem Portfolio zugesetzt. Europa liegt schon deutlich besser mit minus 10 Prozent und hätte zumindest im Portfoliokontext geholfen die Verluste abzufedern.

Gleiches Jahrzehnt, ganz anderes Ergebnis

Der spannende Teil: Hätte derselbe Anleger die 500 Werte nicht nach Größe, sondern gleichgewichtet gehalten, stünde nach zehn Jahren immerhin ein Plus von 4 Prozent zu Buche. Und wer nach dem Value Ansatz in Qualitätsunternehmen wie Berkshire Hathaway investierte, kam auf plus 51 Prozent. Gleicher Markt, gleiches Jahrzehnt — und doch Welten dazwischen. Warren Buffett hat dafür das passende Bild: „Man sieht erst, wenn die Ebbe kommt, wer die ganze Zeit über ohne Badehose geschwommen ist.“

Wer durchhält, wird belohnt

Das ist kein Abgesang auf die Aktie, im Gegenteil. Wer die Zeitreise erst nach fünfzehn Jahren beendet, sieht ein freundliches Bild: Bis Mitte 2015 hat sich alles erholt — die marktgewichteten US-Werte kamen auf ein Plus von 64 Prozent, Europa immerhin auf plus 57 Prozent. Deutlich mehr brachten die breiter aufgestellten Varianten: die gleichgewichtete US-Version plus 171 Prozent und, allen voran, Berkshire mit plus 231 Prozent. Aus Geduld wird Rendite. Aktien bleiben die verlässlichste Anlageklasse für realen Vermögensaufbau — nur führt der Weg selten schnurgerade nach oben.

Warum das heute zählt

Nun, die Künstliche Intelligenz ist eine echte Revolution, die die nächsten Jahre prägen dürfte. Und auch wir investieren mit Überzeugung, aber mit Maß, in ihre direkten und indirekten Profiteure. Nur ist auch hier wieder zu sehen: das Kapital konzentriert sich erneut in einer Handvoll großer Namen wie Nvidia, Broadcom und Co.: Die zehn schwersten Werte im S&P 500 stehen für fast 40 Prozent des Index, so viel wie seit Jahrzehnten nicht. Die Konzentration an sich ist nicht das Problem, die Konzentration auf einen einzigen Sektor ist aber schon bedenklich. Ob wir hier in einem Boom wie in den Jahren 1998, 1999 oder 2000 stehen, kann niemand seriös sagen. Genau deshalb lohnt ein Portfolio, das jede Großwetterlage vernünftig übersteht, statt auf ein einziges Szenario zu setzen.

Drei ausgewogene Alternativen

Genau hier setzen wir an. Beispielsweise bei unserem Frankfurter UCITS-ETF Modern – Value. Der hält seine 25 Titel bewusst gleichgewichtet mit einer vernünftigen Mischung an Sektoren und Themen. Und auch im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen halten wir die Balance ganz bewusst: Qualität statt Hype, mit einer Investitionsreserve in Cash und Anleihen, durch die Modern-Value-Brille. Also keine spekulativen, hochverschuldeten Unternehmen. Und wer noch breiter aufgestellt sein will kann einen Blick auf den Frankfurter Long-Term Value Fund werfen, der als Multi-Manager Fonds neben Industrieländern auch in Schwellenländer investiert, die in den genannten 15 Jahren die beste Rendite der breiten Märkte erzielen konnten. So bleibt das Depot an die Enkel vererbbar oder der Stiftungszweck erfüllbar.

Die Lehre der Zeitreise ist einfach: Aktien ja, aber nicht Haus und Hof auf einen einzigen Trend verwetten. Wer die Balance hält, muss keine Marktphase fürchten.

Sebastian Blaeschke, Jahrgang 1990, ist Leiter des Research Teams und berät zusammen mit den CIOs Frank Fischer und Jens Große-Allermann die Mandate der Shareholder Value Management AG.

Neben den Leitungsfunktionen ist Herr Blaeschke Prokurist der Gesellschaft und hat eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der hausinternen Softwareapplikationen für die Portfolioberatung und Aktienanalyse inne.

Seit 2018 war Herr Blaeschke als Aktienanalyst und als Analyst im Bereich Applied Research und Risk im Unternehmen tätig. Zuvor arbeitete er bereits seit 2012 als Werkstudent im Unternehmen.

Herr Blaeschke absolvierte seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Finance & Accounting und seinen Master in Wirtschaftsinformatik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Dort gründete er gemeinsam mit Andreas Hennes einen Investmentverein und war anschließend als Vorstand tätig.

Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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